Methodik computerunterstützter Textinterpretation


Weitere Informationen gibt es auch im PDF-Format zum Downloaden !!
 
 
Der Arbeitsbereich wird von Prof. Dr. Harald Schweizer geleitet und zählt zur PRAKTISCHEN INFORMATIK. Bewußt wurde das Wissenschaftsetikett "Computerlinguistik" vermieden: Im Wortsinn gäbe es zwar keine Einwände, da ebenfalls Sprache mit Hilfe des Computers untersucht wird; darüberhinaus weckt der Begriff aber Vorstellungen methodischer und konzeptioneller Orientierung, die vermieden werden sollten. Zur Erläuterung:
 
Wesentlicher Hintergrund des Arbeitens sind Grundeinsichten von Semiotik und Systemtheorie. An der Zeichendefinition entlang, dabei einzelne selbstreferentielle Subsysteme auseinanderhaltend, werden folgende Basistermini definiert:  
Vorgeschaltet ist diesem System der Textbeschreibung und -interpretation die Stufe:
KONSTITUIERUNG DES TEXTES
Auf ihr werden vorbereitende Analysen für den nachfolgenden Dreischritt durchgeführt. Mindestens gehört dazu die Segmentierung des Textes in Äußerungseinheiten (Sätze, Nicht-Sätze), bei fremdsprachigen Texten kann die Klärung schwieriger grammatischer oder lexikalischer Konstruktionen bzw. Bedeutungen notwendig werden, bei alten Texten die Sichtung des Handschriften-/Editionsbefundes (Textkritik), auch die Frage, ob ein gegebener Text nachträgliche Überarbeitungen erfahren hat (Literarkritik, zu der wir inzwischen über zwei unterstützende Programme verfügen). - Schließlich gehören in diesen Bereich auch Fragen der Hermeneutik: das Nachdenken über das, was mit diesem Vorgehen erreicht werden kann und was nicht, wie Verstehen, Kommunikation, überhaupt möglich ist. Sowenig wir auf künstlerische Texte fixiert sind, so verdichtet sich die hermeneutische Fragestellung bei ihnen am stärksten: Wie läßt sich der Wahrnehmungsprozeß bei der Konfrontation mit einem fremden Werk beschreiben?
 
Der Arbeitsbereich "Textwissenschaft" deckt somit nicht nur ein umfangreiches, sondern ein letztlich - das hängt eben mit dem Thema "menschliche Kommunikation" zusammen - auch sehr spannendes Feld ab. Die Einsatzmöglichkeiten des Computers, die immer weiter erforscht werden, sind dabei sehr verschiedenartig: von vollautomatischen Befunderhebungen über halb-automatische Unterstützung der Arbeit bis lediglich zum raffinierten Schreibgerät.
 
Das Sprach-/Textmaterial, an dem gearbeitet wird, ist sehr unterschiedlich und wird häufig ergänzt. Längere Untersuchungen laufen derzeit an der "Blechtrommel" von Grass. Französische, englische und finnische Texte werden ebenfalls herangezogen - z.B. Bei Fragen bedeutungsfreier Morphologie. Aufgrund der historischen Herkunft des Arbeitsbereichs werden auch weiterhin Texte in alten Sprachen bearbeitet werden (Latein, Griechisch, Hebräisch). - Selbstverständlich werden für die, die hier mitarbeiten, Texte in Sprachen ausgewählt, die sie auch beherrschen.
 
Was oben rudimentär als theoretischer Rahmen unseres Arbeitens skizziert wurde, hat sich inzwischen exemplarisch in z.T. voluminösen Publikationen niedergeschlagen. An der alttestamentlichen Josefsgeschichte wurde der Kanon der Methodenschritte ausführlich durchgespielt, mit z.T. sehr vielen Neuerungen auf den einzelnen Ebenen.
 
Die beschriebene Orientierung wird auch durch die Herausgabe einer wissenschaftlichen Reihe THLI unterstützt: Ihr Zweck ist dann am besten erfüllt, wenn Publikationen von möglichst unterschiedlicher methodischer und fachlicher Orientierung darin vertreten sein werden.
nbsp;
Seit einigen Semestern wird speziell versucht, den Kontakt zu textwissenschaftlich interessierten ForscherInnen in anderen Fakultäten zu pflegen Textwissenschaftliches Colloquium. Auch ist seit Jahren die kontinuierliche Mitarbeit von mehreren Nachwuchsforschern, z.T. Auch von außerhalb der Universität, wichtiges Merkmal.
 

Im Rahmen eines Informatikstudiums kann die Textwissenschaft bzw. textwissenschaftlich ausgerichtete Computerlinguistik als Nebenfach innerhalb derselben Fakultät gewählt werden. Über die näheren Modalitäten gibt die je geltende Studienordnung Auskunft.
 
Seit SoSe 96 greift die neue Regelung, daß man sich eigens gekennzeichnete Lehrveranstaltungen (in der Regel: Vorlesungen) alternativ auch für das Fach INFORMATIK und GESELLSCHAFT anrechnen lassen kann.
 
Die Lehrveranstaltungen können auch im Rahmen des neuen Studiengangs MEDIENINFORMATIK eingebracht werden und decken dort den geisteswissenschaftlichen Anteil ab.
 
Das Lehrangebot folgt im Turnus von 4 Semestern den oben genannten Schwerpunkten, sowohl auf Vorlesungs- wie Seminarebene. Übungen und jährlich ein Proseminar vertiefen den Stoff.
Vgl. Zusätzlich die verschiedenen Veranstaltungen und Dienste der Abteilung

 
 
Startseite  |  letzte Aktualisierung: 14. September 2010