Gedankensprünge

Der Beitrag von Hypertextsystemen zur Wahrnehmung von Sprache

- Harald Schweizer -

1. Allzu grundsätzlicher Einstieg

"Der Schriftausbreitung liegt eine Art von Versammlungsphantasie zugrunde - alle Leser bilden idealtypisch gesprochen ein Adressatenvolk, das von derselben Botschaft penetriert wird. Die modernen Massenmedien hingegen, die sich über einen freien oder halbfreien Informationsmarkt durchsetzen müssen, können nicht in der Idee eines Sinn- und Sendemonopols fundiert werden.

Der Programmpluralismus der modernen Mediensituation macht alle Vorstellungen von einem Zentralsinn hinter den Sendungen zunichte. Die Modernität dieses Zustands hat niemand hellsichtiger auf den Begriff gebracht als Franz Kafka. Schon zur Zeit des Ersten Weltkriegs hat er das Dilemma eines Systems von haltlosen Botschaften in einer kleinen Parabel dargestellt:

Es wurde ihnen die Wahl gestellt, Könige oder der Könige Kuriere zu sein. Nach Art der Kinder wollten alle Kuriere sein. Deshalb gibt es lauter Kuriere, sie jagen durch die Welt und rufen, da es keine Könige gibt, einander selbst die sinnlos gewordenen Meldungen zu. Gerne würden sie ihrem elenden Leben ein Ende machen, aber sie wagen es nicht wegen des Diensteides.

Nirgendwo ist der Verlust der informatischen Mitte so prägnant erfaßt wie in diesem Gleichnis. Seine Pointe liegt im Hinweis auf jenen mysteriösen Diensteid, der die Kuriere, sagen wir kurzum die Journalisten, die Informatiker und die Forschungsminister, auch in sinnloser Zeit an einen weiterhin gültigen Auftrag bindet. Sogar nach dem Tod des großen Senders gehen Sendepflichten und Botenämter weiter, und das Durcheinanderjagen der Sinnlosigkeiten behält die wie auch immer gebrochene Würde einer schlechthin notwendigen profanen Mission."


P. Sloterdijk, Medien-Zeit. 1994 (2. Aufl.) Karlsruhe. S.96-98.

2. Kritik

3. Praxisnäher: Gedankensprünge sind notwendig

4. Hypertext

5. Verknüpfung von Gegenstandsbereichen in der Kunst

6. Verknüpfung von Gegenstandsbereichen in der Literatur

7. Literarische Texte: linear und hierarchisch


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8. Literarischer Text und Hypertext