Analysegrafiken zur Josefsgeschichte (Gen 37-50)

Pragmatik

Die Beschreibung und Interpretation der nachfolgenden Grafiken findet sich jeweils in Band I der Publikation von 1995.

Die s/w-Grafiken sind immer gesplittet und beziehen sich auf ein Drittel des gesamten Textes. Auf der X-Achse ist ein Drittel der 757-Äußerungseinheiten abgetragen. Die Y-Achse gibt die Werte wieder, die den einzelnen Kategorien alloziert wurden. Enthält eine ÄE mehrere Realisierungen einer Kategorie, wächst an dieser Stelle die ÄE auf der X-Achse (vgl. 10er-Stufen) in die Breite (ist möglich bei CODES und ADJUNKTIONEN). Bei den anderen Kategorien hat eine Äußerungseinheit genau eine Analyse (vgl. bei s/w-Grafiken das integrierte 10er-Gitter).

Zur Verifikation des zugrundeliegenden Textes vgl. die Durchzählung / biblische Referenz der Josefsgeschichte.

Die Farb-Grafiken beziehen sich immer auf den ganzen Text. - Es ist zudem eine Dichte-Berechnung integriert, d.h. es werden die Realisierungen einer Kategorie im Radius von 5 ÄEen vor und nach der Anker-ÄE berücksichtigt. Dadurch wird die quantitative Auswertung unterstützt. - Den Werten der Y-Achse ist eine Farbe zugeordnet, so daß bei einer Aufsummierung abgelesen werden kann, welche Kategorie welchen Anteil an der Gesamtsumme hat.

Welche subjektiven Filter = Modalitäten = Codes werden ausdrücklich im Einzelsatz eingesetzt, um damit die Prädikation vom Eindruck äußerer Faktizität weg und in die Meinungsbildung eines Subjekts hineinzuverlagern?

Ebene Textgrammatik (TG)

Es folgen Befunde der ersten Pragmatik-Stufe die
- das PRÄDIKAT der Semantik (s.d.) kritisch analysieren
- oder die im Wortsinn mehrere ÄEen zusammennehmen
- oder die bisherigen Ergebnisse (Semantik + TG) zusammenfassen.

Kritische Analyse des PRÄDIKATS der Semantik: Beschreibt das bisherige Prädikat eine von vielen Individuen überprüfbare Außenweltveränderung (z. B. durch äußere Handlung)? z. B. alles was unter "statisch" geführt worden war, entspricht dieser Bedingung nicht und rutscht in die Kategorie "Adjunktion" oder "Deixis". Alle geistigen Tätigkeiten entfallen und gelangen in die Kategorie "Codes".

Wo werden in der TG CODES = Modalitäten realisiert? Die beachtliche Zunahme gegenüber der Semantik rührt von der kritischen Analyse der Prädikate her: dem Ausfall dort entspricht die Zunahme der - weit gefaßt verstanden - 'Modal'-Prädikate.

Welche Sprechakte = ILLOKUTIONEN werden im Wortsinn und ergänzend zur Semantik im Rahmen der Textgrammatik realisiert (Darstellung, Auslösung, Kundgabe)? Es wird nun der Zusammenhang von Äußerungseinheiten ausgewertet: es ist immer wieder der Fall, daß zwei nicht-satzhafte (und daher Sprechakt-mäßig nicht bestimmbare) Äußerungseinheiten der Semantik, sobald sie in der Textgrammatik zusammengenommen werden, einen Satz ergeben, der somit in punkto Sprechakt bestimmbar wird.

Wo finden sich DEIXIS: Topologie/Chronologie - Bestimmungen? In der Semantik waren Elemente eines Satzes als Orts- oder Zeitangabe bestimmt worden. Jetzt werden ganze Sätze markiert, falls ihre Hauptfunktion darin besteht, Orts- oder Zeit-Orientierung zu geben.

Wo finden sich ADJUNKTIONEN, also Zusatzbeschreibungen von Nomina? Jetzt wird registriert, wo ganze Sätze diese Funktion wahrnehmen (z. B. Relativsätze, Explikationen). Aber auch "statische" Prädikate der Semantik werden nun (lediglich noch) als Adjunktion gewertet: Es wird dadurch zwar ein Nomen näher beschrieben. Inwiefern es einen neuen Sachverhalt schafft, zustandebringt, erfahren wir durch eine "ist"-Aussage nicht.

Ebene Textlinguistik (TL)

Es folgen Befunde der zweiten Pragmatik-Stufe die
- die NOMINA der Semantik (s.d.) kritisch analysieren
- oder übertragenen Sprachgebrauch (Stilfiguren) auflösen,
- oder die bisherigen Ergebnisse (Semantik + TG + TL) zusammenfassen.

Welche NOMINA benennen ein Phänomen der Außenwelt ("Baum"), welche dagegen Nominalisieren z. B. einen Vorgang ("Fallen"), eine Handlung ("Malen"), eine Erscheinung geistiger Art (Modalitäten - "Verstand, Geist, Hoffnung") usw.? Wo tritt dieser Mechanismus besonders gehäuft auf?

Wo werden in der Textlinguistik CODES = Modalitäten realisiert? Die erneut beachtliche Zunahme gegenüber der Textgrammatik rührt von der Analyse der Stilfiguren her: Metaphern, Metonymien usw. haben häufig eine Funktion im Rahmen der geistigen Orientierungen. Das äußere, oft paradoxe Bild wird nun also auf die gemeinte Modalfunktion zurückgeführt.

 
 
Startseite  |  letzte Aktualisierung: 14. September 2010